"New York Diary" unseres "Marathon-Mannes" Jürgen Poestges
Unbeschreibliche Gefühlswelt

Der Tag fing schon gut an. Freudestrahlend kam der Celler "Fun-Runner" Manfred McAulay an den Frühstückstisch - zwar eine halbe Stunde zu spät, aber immerhin. Er habe, erzählte er, beim Auspacken seines Koffers ein schön eingepacktes Päckchen gefunden. Natürlich habe er es ausgepackt. Und es war eine Uhr mit Lauf-Motiven auf Ziffernblatt und Armband mit dem passenden Namen "Marathon". Auch ein Zettel lag dabei: Von seiner Frau und den Kindern.
Celle-Fun-Runners-LogoErst ein dezenter Hinweis auf seinen anstehenden Geburtstag am Tag des Marathonlaufs brachte ihn darauf, daß er sein Geschenk vielleicht ein wenig zu früh ausgepackt haben könnte. Sein Wiegenfest hatte er schlicht verdrängt. Nichts desto trotz freute er sich sehr über die Uhr, aber der Spott der Mitläufer verfolgte ihn den gesamten Tag. Der wurde teilweise auf der Fähre zwischen Manhattan und Staten Island verbracht, mit tollem Blick auf die Freiheitsstatue und die Skyline des "Big Apple", wie sich New York gerne selber nennt. Nach einem gemütlichen Bummel durch ein größeres Einkaufszentrum folgte dann aber der Höhepunkt sicherlich des gesamten Aufenthaltes: Der Besuch des World Trade Centers und der Aussichtsplattform in rund 400 Meter Höhe. Was sich dem geneigten Betrachter in der beginnenden Dämmerung bot, war schlichtweg umwerfend. Läufer
Rund 30 000 Läufer werden mor-
gen beim New York Marathon an
den Start gehen. - Foto: Bongarts
Überwältigt und sprachlos schauten wir alle hinunter auf diese Weltmetropole, die sich mit blinkenden, glitzernden Lichtern unter unseren Füßen ausbreitete, so weit das Auge reichte. Es fällt schwer, ist vielleicht sogar unmöglich, mit Worten zu beschreiben, welche Gefühle dieser Anblick auslöst. Vielleicht treffen es die Worte einer "Fun-Runners-Schlachtenbummlerin" am Besten: "Das kann man keinem beschreiben. Das muß man selber sehen und in sich aufnehmen und aufbewahren."

Jürgen Poestges
01. November 1997, Cellesche Zeitung